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	<title>Der Wedding &#187; Rituale</title>
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	<description>Das Magazin für Alltagskultur</description>
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		<title>Der Beutel zur Straße</title>
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		<pubDate>Mon, 27 Jun 2011 16:04:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[
Zum Magazin &#8220;Die Müllerstraße&#8221; gibt es nun auch die Tasche &#8220;Die Müllerstraße&#8221;. Sie ziert die Dame und den Herrn. Sie ist ideal zum Tragen von Magazinen, Schallplatten aber auch Biogemüse &#8230;
Der Beutel ist exklusiv im Antiquariat Mackensen erhältlich für 3€. Malplaquetstr. 13a, Tel. 4566343, Öffnungszeiten: 12–18Uhr

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-1141" title="stoffbeutel" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/stoffbeutel.jpg" alt="stoffbeutel" width="500" height="400" /></p>
<p>Zum Magazin &#8220;Die Müllerstraße&#8221; gibt es nun auch die Tasche &#8220;Die Müllerstraße&#8221;. Sie ziert die Dame und den Herrn. Sie ist ideal zum Tragen von Magazinen, Schallplatten aber auch Biogemüse &#8230;</p>
<p>Der Beutel ist exklusiv im Antiquariat Mackensen erhältlich für 3€. Malplaquetstr. 13a, Tel. 4566343, Öffnungszeiten: 12–18Uhr</p>
<blockquote></blockquote>
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		<title>Wedding Mixtape</title>
		<link>http://www.derwedding.de/2010/06/09/wedding-mixtape/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Jun 2010 17:08:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[
Berlin ist in mehreren hundert Liedern besungen worden -  von Nina Hagen, der Dietrich, K.I.Z., den Einstürzenden Neubauten oder David Bowie. Aber auch dem Wedding im Besonderen wurde einiges Liedgut gewidmet. Hier eine Auswahl von Titeln kurz angespielt:
 
1. Massiv: Ghettolied
 Ihr wollt n Ghettolied aufn Ghettobeat?
Komm nach Wedding, dann wisst ihr, wo das Ghetto [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-684" title="tape" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/tape1.jpg" alt="tape" width="492" height="369" /></p>
<p>Berlin ist in mehreren hundert Liedern besungen worden -  von Nina Hagen, der Dietrich, K.I.Z., den Einstürzenden Neubauten oder David Bowie. Aber auch dem Wedding im Besonderen wurde einiges Liedgut gewidmet. Hier eine Auswahl von Titeln kurz angespielt:</p>
<p><em> </em></p>
<p><em>1. Massiv: <a href="http://www.myvideo.de/watch/3180740/Massiv_Ghettolied" target="_blank">Ghettolied</a></em><br />
<em> <em>Ihr wollt n Ghettolied aufn Ghettobeat?<br />
Komm nach Wedding, dann wisst ihr, wo das Ghetto liegt.<br />
Das ist mein Bezirk, geh von hier nicht weg.<br />
Liebe meine Brüder, widme ihnen diesen Track.<span id="more-660"></span></em></em></p>
<p><em><em> </em></em></p>
<p><em><em>2. </em>Berliner Rundfunk: <a href="http://www.berliner-rundfunk.de/cgi-bin/WebObjects/brf.woa/wa/CMSshow/1319143" target="_blank">Wedding-Lied</a></em><br />
<em><em> <em>Bei uns im Wedding, bei uns im Wedding,<br />
Wo ich als kleines Kind schon<br />
auf dem Hinterhof gespielt hab.<br />
Bei uns im Wedding, bei uns im Wedding,<br />
Wo der Asphalt noch so wie früher riecht.<br />
</em></em></em></p>
<p><em><em><em> </em></em></em></p>
<p><em><em><em>3.</em></em></em> <em>Erich Weinert/Hanns Eisler: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=hPY7aAuxdz4" target="_blank">Roter  Wedding</a></em><br />
<em><em><em> <em>Links, links, links, links!<br />
Die Trommeln werden gerührt,<br />
links, links, links, links!<br />
Der rote Wedding marschiert!<br />
Wir tragen die Wahrheit von Haus zu Haus<br />
Und jagen die Lüge zum Schornstein hinaus,<br />
Wie uns die Genossen gelehrt. </em></em></em></em></p>
<p><em><em><em><em> </em></em></em></em></p>
<p><em><em><em><em>4. </em></em></em>Claire Waldoff: <a href="http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Claire_Waldoff.html" target="_blank">Romanze  vom Wedding</a></em><br />
<em><em><em><em> <em>Sie trug een echten Florentiner-Hut,<br />
Und oben druff een echtes Krokodilgefieder,<br />
Und trotzdem stand ihr irgend wat nich gut:<br />
Det linke Bein, das musste es bezeugen,<br />
Det linke Bein, dass se vom Wedding stammt,<br />
Det linke Bein, det konnte man nich leugnen,<br />
Det war noch nich so recht kurfürstendammt.</em></em></em></em></em></p>
<p><em><em><em><em><em> </em></em></em></em></em></p>
<p><em><em><em><em><em>5. </em></em></em></em>Fredy Sieg: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=xNIr67_Mndg" target="_blank">Ganz draußen an der  Panke</a></em><br />
<em><em><em><em><em><em> Da kommt mir manch Jedanke<br />
seh ich det Flüsscken ziehn<br />
Ganz leise gluckst die Panke<br />
Die heimatliche Panke &#8230;</em></em></em></em></em></em></p>
<p><em><em><em><em><em><em> </em></em></em></em></em></em></p>
<p><em><em><em><em><em><em>6. </em></em></em></em></em>Claire Waldoff: <a href="http://www.youtube.com/watch?v=exVIjUL-qbM">An de Panke-an de  Wuhle-an de Spree</a></em><br />
<em><em><em><em><em><em> <em><em>Und steh’ am Ufer ich der Panke,<br />
Möcht jleich ich wieder Leine ziehn:<br />
Bei dem Jestanke. Na ick danke.<br />
Ne dufte Stadt ist mein Berlin …“</em></em></em></em></em></em></em></em></p>
<p><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em><em> </em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></em></p>
<p>Wenn jemand noch den einen oder anderen Titel parat hat, dann diesen bitte gerne in den Kommentaren posten.</p>
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		<title>Hand drauf!</title>
		<link>http://www.derwedding.de/2010/06/02/hand-drauf/</link>
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		<pubDate>Wed, 02 Jun 2010 17:42:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[ 

Beobachtungen vom Trödelmarkt auf dem Leopoldplatz
Text und Fotos: Inga Seidler
Samstagnachmittag, die Sonne scheint, monoton rauscht der Verkehr  über die Müllerstraße, aus einem Ghettoblaster in der Ferne dröhnt Heavy  Metall-Musik. Auf dem kleinen Flohmarkt vor der Narzareth-Kirche  herrscht geschäftiges Treiben. An den Trödelständen und Wühltischen wird  geschaut, geprüft, gefeilscht und hitzig [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong> </strong></p>
<p><img title="wnippes" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/wnippes2.jpg" alt="wnippes" width="500" height="390" /></p>
<p>Beobachtungen vom Trödelmarkt auf dem Leopoldplatz</p>
<p><em>Text und Fotos: Inga Seidler</em></p>
<p>Samstagnachmittag, die Sonne scheint, monoton rauscht der Verkehr  über die Müllerstraße, aus einem Ghettoblaster in der Ferne dröhnt Heavy  Metall-Musik. Auf dem kleinen Flohmarkt vor der Narzareth-Kirche  herrscht geschäftiges Treiben. An den Trödelständen und Wühltischen wird  geschaut, geprüft, gefeilscht und hitzig diskutiert.<span id="more-605"></span></p>
<p>Vor einem  Wühltisch voll mit Nippes steht Ulrike. Sie ist auf der Suche nach  ausgewählten Stücken eines alten Geschirrservice „Keine teure Marke oder  so“, vorsichtig kramt sie eine Untertasse hervor, „bei der gefällt mir  das Blümchenmuster, so etwas gibt es fast nirgendwo mehr.&#8221;</p>
<p>Ein Mann, er  trägt einen Schnauzer und eine Hornbrille durchforstet derweil die DVDs  am Stand gegenüber. „Was suchste?&#8221; „Nur Horrorfilme &#8211; Hauptsache mit  Splatter!&#8221;</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-615" title="wbravohits" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/wbravohits.jpg" alt="wbravohits" width="500" height="667" /></p>
<p><em>Seine Ausbeute heute: Bravo Hits 8</em></p>
<p>An der Imbissbude ein paar Meter weiter – bei  Kirschstreusel,   Mettbrötchen und Sternburger– wird die erstandene Beute  kritisch  beäugt:  Fingerringe, Schlüsselanhänger und bunte Knöpfe  liegen  ausgebreitet auf  dem Tisch.</p>
<p>„Es ist gut hier, billiger als am Mauerpark-Flohmarkt oder  auf dem  Boxhagener Platz.&#8221; Die Flohmarkt-Kennerin war heute schon in   Reinickendorf und Pankow auf Schnäppchenjagd. Bisher hat sie hier   eine Tasche gekauft sowie Papyrusrollen und Bilderrahmen – für ihre Malerei, wie sie verrät.</p>
<p><img title="wdieuhr" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/wdieuhr.jpg" alt="wdieuhr" width="500" height="375" /></p>
<p><em>Sie tickt.</em></p>
<p>Am nächsten Stand hat sie eine alte Wanduhr zum Hängen in der Hand. &#8220;Genau so eine habe ich gesucht &#8211; mit Zifferblatt und zum Aufziehen. Ich will es ticken hören.&#8221; Die Trödel-Expertin wirft einen weiteren prüfenden Blick auf die Auslage vor ihr. &#8220;An diesem Stand finde ich nichts mehr, obwohl ich  gerne noch etwas kaufen würde, einfach weil der Verkäufer so reizend ist.&#8221;</p>
<p>Im Hintergrund besiegelt besagter Verkäufer gerade ein anderes Geschäft. &#8220;Der Recorder funktioniert doch auch wirklich?&#8221; &#8220;Aber sicher, einwandfrei. Und wenn irgendwas ist, kommste nächsten Samstag wieder her und kriegst deine fünf Euro zurück &#8211; Hand drauf!&#8221;</p>
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		<title>Neulich auf dem Müllerstrassenfest (Teil 1)</title>
		<link>http://www.derwedding.de/2010/04/25/neulich-auf-dem-mullerstrassenfest-teil-1/</link>
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		<pubDate>Sun, 25 Apr 2010 19:27:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-465" title="Unbenannt-1" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/Unbenannt-1.gif" alt="Unbenannt-1" width="500" height="400" /></p>
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		<item>
		<title>Der Berliner Schlüssel</title>
		<link>http://www.derwedding.de/2010/04/13/der-berliner-schlussel/</link>
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		<pubDate>Tue, 13 Apr 2010 18:04:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[
Text: Tim Schintlholzer
Das wird wohl so Ende der 90er Jahre gewesen sein, also kurz nach der  Handtelefonrevolution als ich mich mit einem Kuriosum der  Schließanlagentechnik konfrontiert sah, das eigentlich schon damals  seine beste Zeit hinter sich hatte. Ich war da, also noch vor dem  Berlin-Boom, wo alles von Rang und Namen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-419" title="Schlüssel2" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/Schlüssel2.jpg" alt="Schlüssel2" width="500" height="192" /></p>
<p>Text: Tim Schintlholzer</p>
<p>Das wird wohl so Ende der 90er Jahre gewesen sein, also kurz nach der  Handtelefonrevolution als ich mich mit einem Kuriosum der  Schließanlagentechnik konfrontiert sah, das eigentlich schon damals  seine beste Zeit hinter sich hatte. Ich war da, also noch vor dem  Berlin-Boom, wo alles von Rang und Namen aus Kunst, Kultur und Medien  unbedingt nach Mitte wollte,  gerade in die Hauptstadt gezogen und  darüber so was von in Aufregung, dass ich eigentlich gar nicht wirklich  mitbekam, wie und was mit mir geschah.</p>
<p><span id="more-418"></span></p>
<p>Ich zog in eine runtergekommene Altbauwohnung im Vorderhaus, 4. OG  mit Kohleofen, ohne Balkon, ohne abgezogene Dielen (also Ochsenblut!)  und ohne Klingelanlage und bekam bei der Wohnungsübergabe nach  Unterzeichnung des Mietvertrages und Barauszahlung der obligatorischen  Kaution von drei Monatsmieten (Nettokalt!) mehrere Schlüssel und so ein  Ding ausgehändigt.</p>
<p>Ich hatte so etwas noch nie gesehen, geschweige denn  von seiner Existenz gewusst. Nun gut, man konnte das Ding schon als  Schlüssel identifizieren, aber es war ein eigenartiger Schlüssel, ich  meine, es waren eigentlich zwei Schlüssel ohne Griff, wie als hätte da  so ein Scherzkeks zwei alte Kellerschlüsse an ihrem Griffel abgesägt und  sorgfältig dann aneinandergeschweißt.</p>
<p>Ich fand sofort eine plausible   Erklärung: Roter Wedding! Alter Arbeiterbezirk! Wohnort richtiger  Trinker – seit Generationen schon! Na klar! Wenn man so richtig strunzen  voll ist, dann tut man sich mit nem Schlüssel schon mal schwer und  versucht stundenlang die Tür aufzukriegen, ohne zu merken, den Schlüssel  die ganze Zeit falsch rum ins Schloss führen zu wollen. Und meistens  dann kommt man ja auf das Naheliegendste nicht und versucht erstmal alle  anderen Türen der Strasse.</p>
<p>So was ist ärgerlich, zumal man da tierisch  Stress mit der Alten kriegt, weil man schon wieder so spät und versoffen  nach Hause kommt, obwohl man doch eigentlich schon die letzte Skatrunde  für den Haussegen sich selber überlassen hatte. Wer kennt das nicht?   Es konnte nicht anders sein. Es musste sich um eine Spezialanfertigung  von Harald Juhnke handeln. Ich war begeistert und konnte mein Glück kaum  fassen. Schien es mir doch, als hielte ich unverhofft meine  Altersvorsorge in den Händen. Mit dem Harald Juhnke Schlüssel müsste ich  doch bei eBay Unsummen abkassieren können.</p>
<p>„So! Und jetzt erklär ich ihnen noch die Anwendung des Berliner  Schlüssels, weil so was habense ja janz bestimmt noch nich jesehen!“ kam  meine frisch gebackene Vermieterin zum Abschluss des  Wohnungsübergabeprocedere. Zusammen stapften wir die Treppen hinunter  durch dieses völlig versiffte Treppenhaus, in dem es bis zu dem Tag  meines Auszuges eigentümlich vermengt nach Pisse, Gras und Sperrmüll  roch, wie es da wahrscheinlich auch heute noch riecht, und ich erhielt  an der Haustüre angekommen meine Einführung in den Gebrauch diese  Schlüssels. Wäre ich damals nicht so von dem Treppenhausgestank benommen  gewesen, hätte ich nur einmal klar darüber nachdenken können, was das  ohne Klingelanlage und mit so einem Berliner Schlüssel für Umstände mit  sich bringt, ich glaube, ich hätte den Vertrag sofort noch zerrissen und  mir was anderes gesucht. Dann aber wiederum denke ich heute, dass es  auch schlimmer hätte kommen können, wie z.B. so nen Treppenhaus, in dem  es nach diesem DDR-Mief und nach VEB-Bohnerwachs stinkt, wo man sofort  so ne Stasiparanoia kriegt.</p>
<p>Aber trotzdem, man muss sich das mal vorstellen: Diese verfickte Tür  war immer verschlossen. In jeder gottverdammten Situation musste man  diese Scheißtür aufschließen und dann von innen wieder zuschließen, weil  man sonst diesen verkackten Berliner Schlüssel nicht wieder aus dem  Schloss bekam! Sturzbesoffen oder bekifft, voll bepackt mit  Einkaufstüten, sturzbesoffen voll bepackt mit Einkaufstüten, bekifft  voll bepackt mit Einkaufstüten oder sturzbesoffen und bekifft voll  bepackt mit Einkaufstüten – immer war die Tür zu, immer aufschließen,  immer wieder abschließen.</p>
<p>Und dann kamen Gäste nicht rein, konnten sich  unter Umständen gar nicht aufmerksam machen, standen Ewigkeiten auf der  Strasse, pfiffen und schrieen: Huhu, Wir sind´s!, Aufmachen! Ja, ja, ja  so war das! Jeder Umtrunk, jede Verabredung, jedes Fest geriet zum  totalen Stress wegen dieser Scheiße! Sturzbesoffen und bekifft voll  bepackt mit Einkaufstüten,  Tür auf Tür zu, hoch geschleppt den Scheiß,  alles sowieso schon viel zu spät, die ersten Gäste viel zu früh, Akku  leer, Huhu! Wir sind´s!, Schlüssel in ne Socke gestopft und auf so nen  Drogen-BMW geschmissen! Alarm Grande! Ich habe dann später mit einer  Angel gearbeitet, aber die Gäste kamen ja nicht nur nicht rein, die  kamen ja auch nicht raus!</p>
<p>Wie oft klingelte das Telefon und dann ungefähr so: „Hallo! Ich bin´s  noch mal! Du, die Tür, die ist zu!“ Man kann die Leute ja nicht vier  Stockwerke wieder hoch laufen lassen, so als Gastgeber! Man läuft also  runter und dann natürlich wieder rauf! Und das macht man dann so drei  bis vier Mal am Abend, so je nach dem. Einmal bei einer richtigen Party  haben dann so zwei Kokser, gewahr ihrer unerhofften Gefangenschaft im  Treppenhaus losrandaliert und die Tür einfach eingetreten und weil sie  gerade dabei waren auch 48 Latten des Treppengeländers gleich mit. Das  habe ich dann aber nicht bezahlt. Ich habe gesagt: „Kümmern sie sich  gefälligst um ein normales Schloss und lassen sie eine ordentliche  Klingelanlage anbringen, sie blöde Schlampe!“, hätte ich gerne gesagt.</p>
<p>Ich war dann irgendwann kurz vor dem Ausziehen, so richtig down wegen  der Sache bei Kiffer Hans im zweiten Stock bei uns im Haus unten, und  während wir so ne Bong rauchten und uns richtig fett machten, zeigte der  völliges Unverständnis für mein Problem. „Sach ma! Kennst du nicht  Klick-Klack, Blödmann?“ „Klick-Klack?“ „Ja! Man! Klick-Klack! Man! Wenn  Du aufschließt, machst du et janz schnell, bis et Klick macht, und dann  lässt du et janz schnell wieder zurückklacken. Klick-Klack! Janz schnell  und janz sauber! Klick-Klack und offen bleibt die Tür! So iss det!  Klick-Klack!“ Und als ich dann wissen wollte, wieso denn diese  verschissene Tür immer zu sei, wenn das so einfach wäre, wurde ich ein  zweites Mal über die Geflogenheiten meiner neuen Heimat unterrichten und  kam wohl dieses Mal nach ca. 1 1/2 Jahren meines Einzuges dann doch  noch richtig in der Nachbarschaft an.</p>
<p>„Hör mal, Alta! Det is Wedding! Hier jibt’s Leute, die haben´s nicht  mehr nötig, auf die Strasse zu gehen!“ Strunzenvoll und bekifft ging ich  noch an diesem Abend runter und schloss diese Scheißtür für immer auf!  Klick-Klack! Janz schnell und janz sauber! Und das Graffiti im Hausflur  hat dann später auch nicht weiter gestört. War sozusagen das fehlende  visuelle Pendant zum Gestank! Ausgezogen bin ich dann später trotzdem.</p>
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		<title>Der Kulturkiez des Herren</title>
		<link>http://www.derwedding.de/2010/03/28/der-kulturkiez-des-herren/</link>
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		<pubDate>Sun, 28 Mar 2010 13:15:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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		<description><![CDATA[
Text: Thilo Bock &#124; Illustration: Axel Völcker
Von den Ausflügen eines Rastlosen
Es dämmert bereits, als ich nach längerer Wanderung den Leopoldplatz von Süden her erreiche. Hier beginnt der Kiez, von dem es heißt, »er schlafe niemals«, und wenn doch, dann nicht in einem gemachten Bett. Dabei ist dies ein tief religiöses Viertel. Ein Gotteshaus allein würde [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-341" title="Kulturkiez-Illu" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/Kulturkiez-Illu.jpg" alt="Kulturkiez-Illu" width="500" height="744" /></p>
<p>Text: Thilo Bock | Illustration: Axel Völcker</p>
<p><strong>Von den Ausflügen eines Rastlosen</strong></p>
<p>Es dämmert bereits, als ich nach längerer Wanderung den Leopoldplatz von Süden her erreiche. Hier beginnt der Kiez, von dem es heißt, »er schlafe niemals«, und wenn doch, dann nicht in einem gemachten Bett. Dabei ist dies ein tief religiöses Viertel. Ein Gotteshaus allein würde nicht ausreichen, weshalb man hinter die eine Nazarethkirche noch eine zweite Nazarethkirche gebaut hat, was in der Vergangenheit immer wieder zu misslungenen Kontaktaufnahmen Zugezogener mit Einheimischen geführt hat, weil sie vor der falschen Pforte gewartet haben.</p>
<p><span id="more-339"></span></p>
<p>Die meisten Straßen hier sind im Jahr 1888 nach Ereignissen und Personen des Spanischen Erbfolgekrieges benannt worden. So wurde der Leopoldplatz nach – so naheliegend, dass man beinahe nicht darauf kommt – Leopold I., Fürst von Anhalt-Dessau benannt, dem Erfinder des Gleichschrittes und des Spießrutenlaufes. Ziel seiner Kriegsführung war es, die bekämpften Landstriche mit einem Gestank zu überziehen, der sich hartnäckig in den Gardinen festsetzt.</p>
<p>Das Viertel ist geprägt von Internationalität und Heimweh: Das »Koreahaus« in der Nazarethkirchstraße wird vom Restaurant »Sarajewo«, welches pikante Balkanspezialitäten anbietet, lediglich durch ein »Call Home Institut« getrennt. Nach Hause telefonieren wollen sie hier alle.</p>
<p>Vorbei am »Turiner Darttreff« in der Turiner Straße passieren wir an der nächsten Ecke die »Taverne Hellas«, aus der das Licht noch auf den Gehsteig scheint. Leise tönt Musik heraus, die fremd und südländisch ist. Doch unser Weg führt uns weiter. Wir biegen links in die Utrechter Straße ab und kommen am »Salon des Herren« vorbei, einem weiteren Treffpunkt für religiös Motivierte: Im Schaufenster laden auf großen Bildtafeln wohlfrisierte Heilige zum Eintritt ein. Und nur ein Haus weiter pfeift ein von einem Eingang beschatteter Herr von imposanter Statur dem Wanderer nach. Eine beruhigende Liberalität liegt in der Abendluft. Die »Pichelstube« schließt leider bereits um 21 Uhr 30, aber nebenan im Internetcafé leuchten die grünen Lichter wohl einer langen Nacht des virtuellen Austausches entgegen. Wir kommen zur Müllerstraße, benannt nach den Betreibern der zahlreichen Mühlen, die damals an der rechten Seite der Straße vor sich hin mahlten und die Grundlage für das verdiente Wohl der braven Bevölkerung ausstaubten. Heute ist die Müllerstraße die Champs-Élysées des Weddings. Noble Boutiquen, lediglich nach den Anfangsbuchstaben der Besitzernamen benannt, locken des Nachts mit edlen Einzelstücken in prächtig illuminierten Schaufenstern.</p>
<p>Nun biegen wir in die Amsterdamer Straße ein. Das Haus mit der Nummer zwei beherbergt das berühmte Nagelstudio »Euro Nails«, das Feilarbeiten amerikanischen Stils anbietet – ein seltenes Beispiel für gelungene Globalisierung bis in die Fingerspitzen. Gegenüber befindet sich eine leere Apotheke, Mahnmal der strotzenden Gesundheit hier im Viertel, wo es niemand nötig hat, krank zu werden.</p>
<p>Am Ende der Amsterdamer Straße befindet sich das traditionsreiche »Mini-Kaufhaus Meyer«, das ein umfassendes Sortiment an Geschenkartikeln feilbietet. Wir sehen eine einhundertprozentige Kobaltvase für unschlagbare achtzehn Euro und einen im gleichen Material gehaltenen Teddybären für läppische fünf Euro. Der Wanderer bedauert, dass das »Mini-Kaufhaus Meyer« kein Spätkaufhaus Meyer ist, ist doch das hiesige Angebot weit über die Kiezgrenzen hinaus bekannt. So soll es hier ein umfangreiches Sortiment an Kneipierslederjacken geben. Nur wahre Liebhaber können den Sammlerwert erahnen, denn während man Wirte in anderen Regionen in ihrer Kneipenkluft beerdigt, werden im Wedding damit die Bestattungskosten beglichen, schon weil der nachgelassene Alkoholvorrat spätestens beim dritten Leichentrunk vernichtet wird. Weddinger Trinker trauern ausführlich um ihren Trankgeber. Es ist allerdings kein leichtes Unterfangen, einem toten Schankwirt die Lederjacke auszuziehen, weshalb diese Prozedur, die der Kiezälteste vornehmen muss, »Destillenhäutung« genannt wird.</p>
<p>Wir aber wenden uns nach rechts zur Malplaquetstraße, wo das Leben auch noch nach Einbruch der Dunkelheit tobt. Auf der Kreuzung spielen Kinder Fußball und dort, wo die Straße die Utrechter Straße kreuzt, sitzen fröhliche Menschen vor der alteingesessenen Nachtbäckerei. Hier befindet sich auch die zentrale Wasserstelle des Viertels. Tagsüber stehen an dieser historischen Pumpe Frauen und andere Arbeitslose aus dem Kiez Schlange, derartig frisches Wasser gibt in keiner PET-Flasche. Seit der letzten ökologischen Bezirksreform kommt im Wedding nämlich kein fließendes Wasser mehr aus der Wand, was ja, als Relikt gedankenloser Zeiten, ohnehin nur zur Verschwendung einlud. Wohlhabende Kiezbewohner werden von Lothar Meichelbeck in der Utrechter Straße mit Warmwassergeräten ausgestattet, um das Brunnenwasser nicht kalt nutzen zu müssen. Die anderen sind abgehärtet.</p>
<p>Aufgrund des mangelnden Wasseranschlusses sparen die Einwohner viel Geld, das sie dann in teure Telefonate gen alte Heimat investieren können oder in neue Frisuren oder Fingernägel, falls die alten abhandengekommen sind. Manche verspielen ihr ALG-II-Geld aber auch lieber beim Kartenspiel oder mit Sportwetten. Vor einiger Zeit hatte man hier im Kiez sogar zusammengelegt und ein eigenes Pferd erstanden, das aber dann auf dem Ritt nach Hoppegarten von Eingeborenen am Helmholtzplatz abgefangen und aufgegessen worden ist. Zu derartig barbarischen Handlungen würde es hier im Kiez niemals kommen, man ist schließlich kultiviert. Zahlreiche Sport- und Kulturvereine prägen das Straßenbild und bezeugen einen vielfältigen und anspruchsvollen Lebensstil. Und auch das Nachtleben offenbart Weltläufigkeit. Vieles muss an dieser Stelle unerwähnt bleiben. Zu gerne schwärmte ich noch von einer pittoresken Einrichtung wie dem »Engel Nightshop Express« in der Groninger Straße, wo man auch noch des Nachts Deutschlandfahnen erwerben kann.</p>
<p>Doch im milden Licht des Vollmondes, der den Kiez in sanfte Farben taucht, muss ich weiter gen Norden wandern, um mir im Schillerpark ein Bett für meine Träume zu suchen.</p>
<p>Aktuelle Äußerungen und sämtliche Auftrittstermine von Thilo Bock auf dem Bockblog unter: <a href="http://www.thilo-bock.de/" target="_blank">www.thilo-bock.de</a></p>
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		<title>B im W</title>
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		<pubDate>Wed, 27 Jan 2010 17:48:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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Der BMW 3er. Kein Auto ist so sehr Wedding wie er. Und kein 3er wird so begehrt, wie der M3, der König der 3er-Reihe.
Text: Frank B. Meyer  &#124;  Fotografie: Axel Völcker
Das flammneue M3 Coupé steht an der Shell-Tankstelle Müllerstraße. Steht da und löst Gefühle aus: Begeisterung, Eitelkeit, Gier, Misstrauen – und Höflichkeit.

Zuerst Höflichkeit. »Schuldigung, darf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-197" title="BMW-verhuscht_RZ" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/BMW-verhuscht_RZ.jpg" alt="BMW-verhuscht_RZ" width="500" height="335" /></p>
<p>Der BMW 3er. Kein Auto ist so sehr Wedding wie er. Und kein 3er wird so begehrt, wie der M3, der König der 3er-Reihe.</p>
<p>Text: Frank B. Meyer  |  Fotografie: Axel Völcker</p>
<p>Das flammneue M3 Coupé steht an der Shell-Tankstelle Müllerstraße. Steht da und löst Gefühle aus: Begeisterung, Eitelkeit, Gier, Misstrauen – und Höflichkeit.</p>
<p><span id="more-196"></span></p>
<p>Zuerst Höflichkeit. »Schuldigung, darf isch mal was fragen? Wie viel PS?« Semih (16) und seine sechs Kumpels schwärmen um den M3 herum. »Darf isch misch einmal reinsetzen? Einmal reinsetzen, bittäää!«<br />
Begeisterung. Die Jungs plappern deutsch und türkisch durcheinander. Dann Eitelkeit. Einer setzt seine Sonnenbrille auf im späten Abendlicht, rückt die dicke Halskette zurecht, lehnt sich auf die Motorhaube, macht mit einer Hand das W-Zeichen (Wedding, klar). Semih knipst ihn mit seinem Sony-Ericsson W800.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-198" title="IMG_4896-2-klein" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/IMG_4896-2-klein.jpg" alt="IMG_4896-2-klein" width="500" height="393" /><br />
Dann Gier. Aziz (21) aus Kroatien: »Darf ich mich reinsetzen, mal anlassen und Gas geben?« Darf er nicht. Der Fahrer startet den V8, Aziz greift in den Fußraum und jagt den Motor hoch, mit der Hand auf dem Gaspedal. »Fahr mal los, ich zeig dir, wo die Zigeuner sind. Die haben ganz dicke Autos, Ferrari und Lamborghini und so.« Heute sind keine da. Also fahren wir zur Pankstraße. An der Ecke Reinickendorfer Straße stehen Kroaten und Bosnier.</p>
<p>Jetzt Misstrauen. »Mietwagen?«, fragt einer. (Hauptkommissar Holger vom Polizeiabschnitt 35 erzählt später: »Wenn sie richtig was zeigen wollen, dann mieten sie sich ein teures Auto.«) Kein Mietwagen. »Wie viel PS?«, »Wie viel kostet der?«, »Wie schnell auf hundert?« Messwert 5,1 Sekunden. Ein Bosnier mault: »Öööh, fünf Komma eins? Zu schwach!« Er fängt eine Diskussion über Ferrari an. »Das ist unglaublich, der ist zu langsam.«</p>
<p>Trotzdem, immer noch Gier: »Darf ich mal damit fahren, nur kleines Stück?«, und immer noch Begeisterung. Ein Kumpel fährt in seinem BMW 645i Cabrio auf und ab, lässt seinen V8 grollen. Aziz überlegt: »Mercedes ist mehr intelligente Wagen, BMW ist mehr Sportwagen. Früher in die Heimat, wir hatten immer keine BMW, wir wünschen uns BMW.« Gino (19) weiß auch was: »Südländer lieben den 3er, weil er sportlich ist, und kann man gut umbauen.«<br />
Zurück zur Tankstelle. Gino kommt mit. Der Älteste der Bosnier ruft grinsend hinterher: »Aber jetzt mal bisschen Asphalt!« Ein kurzer Gasstoß und Gino strahlt. Zum Abschied an der Shell sagt er: »Danke! Wir sind im Wedding, Mann! Der Wedding ist höflich.«<br />
<img class="alignnone size-full wp-image-199" title="IMG_4910-2-klein" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/IMG_4910-2-klein.jpg" alt="IMG_4910-2-klein" width="500" height="325" /><br />
<em>BMW M3 Coupé<br />
V8-Motor, 420PS, 250km/h (abgeregelt), 3999cm3 Hubraum, 0–100 km/h in 4,8s (Werksangabe), Normverbrauch 12,4Liter   Super Plus, 66.650 Euro</em></p>
<p><em>Erschienen in: DER WEDDING – Ausgabe 01</em></p>
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		<title>Im Hafen des Tages &#8211; Das Abendbrot</title>
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		<pubDate>Sun, 03 Jan 2010 09:15:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>axel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rituale]]></category>

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Das Abendbrot ist die wichtigste Mahlzeit − zumindest an einem ganz normalen Wochentag. Es leistet viel: Fürsorge, Familienrat, Nahrungsaufnahme, zur Ruhe kommen. Das ist nicht einfach für das Abendbrot.
Text Daniela Künne &#124; Foto Sandra Hoyn
Denn auf kleinem Raum und in meist weniger als einer Stunde konzentrieren sich Menschen, Essen und Ansprüche. Um die Wichtigkeit des [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-172" title="Abendbrot-screenshot" src="http://www.derwedding.de/wpde/wp-content/uploads/Abendbrot-screenshot.jpg" alt="Abendbrot-screenshot" width="500" height="319" /></p>
<p><span style="text-decoration: underline;">Das Abendbrot ist die wichtigste Mahlzeit − zumindest an einem ganz normalen Wochentag. Es leistet viel: Fürsorge, Familienrat, Nahrungsaufnahme, zur Ruhe kommen. Das ist nicht einfach für das Abendbrot.</span></p>
<p>Text Daniela Künne | Foto Sandra Hoyn</p>
<p>Denn auf kleinem Raum und in meist weniger als einer Stunde konzentrieren sich Menschen, Essen und Ansprüche. Um die Wichtigkeit des Abendbrotes wissen auch Familienhelfer. Zu Beginn ihrer Arbeit sorgen sie vor allem dafür, dass sich die Familie zum Abendessen um den Küchentisch versammelt.</p>
<p>Jeden Abend ist das so: Mit der flachen Hand auf den Schalter schlagen, knirschend tickt das Licht im alten Berliner Treppenhaus los. Heimkommen – Abendbrotzeit.<br />
Auf dem Weg nach oben dringen Geräusche aus den Wohnungen. Wie in einem Adventskalender hinter jeder Tür ein anderes: mal das Klappern von Besteck, dann ein dumpfer Fernseh-Ton, im nächsten Stock hämmert ein Techno-Bass als parke hinter der Tür ein Golf mit Brandenburger Nummernschild und manchmal auch nur Dunkelheit und Stille. Schwer vorstellbar, dass dies der Soundteppich zur überall gleichen Handlung ist:<br />
Die Familie versammelt sich zum Abendessen um den Küchentisch und erzählt sich bei Gürkchen und Stullen auf Holzbrettchen ihren Tag. Der Zeitschalter für das Treppenhauslicht zählt zu schnell, zweimal wird es dunkel unterwegs. Das sind die Zufallstreffer, um zu klingeln und die Frage zu stellen: Abendbrot, wie geht das bei euch? Ist euch das wichtig?</p>
<p><span id="more-171"></span><br />
<strong>Zweiter Stock: Junges Paar</strong></p>
<p>Claas* winkt mich eilig durch in die schmale Küche, in der Hand einen Holzlöffel, mit dem er weiter im Wok rührt. Wir kennen uns vom gegenseitigen Paketeentgegennehmen. Er erzählt: »Kata kommt oft spät aus der Uni, meist koche ich. Weil wir beide tagsüber nur schnell zwischendurch essen, gibt es abends warm. Einmal am Tag eine warme, möglichst gesunde Mahlzeit ist wichtig. Da habe ich vorher nie drauf geachtet, das kam erst nach dem Krebs.« Der Name der Krankheit lässt die Unterhaltung stocken. Aber dass Claas so selbstverständlich damit umgeht, macht das Weiterreden einfacher. Er habe, nachdem er als geheilt galt, gefragt, was man gegen die Wiederkehr der Krankheit tun könne. »Genießen Sie Ihr Leben«, hätten die Ärzte geantwortet. Was das aber genau sein soll, hätte er erst lernen müssen. Während er Paprika schneidet, ein schneller Blick in die Wohnung. Im Wohnzimmer auf dem Sofa vor dem Fernseher liegt ein Holzbrett mit zwei Tellern und Besteck, daneben hockt ein grimmig aussehender Perserkater. »Wir essen und sehen dabei Nachrichten. Das hat sich für den Winter leider so eingebürgert.« Der Kater liebe Traditionen und säße Abend für Abend als Erster vor dem Fernseher. Als warte er darauf, dass sich die Bewohner der Wohnung vor dem Lagerfeuer versammeln.<br />
Katas Schlüssel schließt in der Tür. Sie erzählt, während sie sich aus dem Mantel schält: »Als Single habe ich manchmal zum Abendbrot Wiener-Würstchen in der Tankstelle gegessen.« Gekocht hätte sie nie. Wild und aufregend sei das nicht gewesen, sondern nur ein Ausdruck von verlernter Sorge für sich selbst.</p>
<p><strong>Zweiter Stock : Familie mit zwei Kindern</strong></p>
<p>Frau G. öffnet die Tür und deutet mit dem Kopf in Richtung Kinderzimmer. »Sag’s ihnen am besten selbst.« Nein, nein, keine Beschwerde wegen der Musik. »Typisches Abendbrot? Da hättest du eher kommen müssen.« Für ihren Job bei der Post steht sie um 4:30 Uhr auf, den Einkauf erledigt sie auf dem Rückweg gegen 16:00 Uhr. »Wir essen so zwischen sechs und sieben. Wenn einer später kommt, warten wir bis alle vier da sind.« In der Küche ein großer Tisch mit blauer Wachstuchdecke. An den Wänden hängen Stundenpläne und ein Kalender, der die Aktivitäten der Töchter inklusive Abholen und Hinbringen wochenweise durchplant. Die Kinder kämen meist spät aus der Schule und hätten dann noch Hausaufgaben. Kochen und Tischdecken mache daher meistens sie. »Gegessen wird abends warm, tagsüber kommen wir nicht dazu.« »Normale Sachen, wie Spinat, Kartoffeln und Ei.« Gekocht wird, was die Kinder essen: »Alles andere wäre dusselig.« Nur wenn die Kleine (12) spät von der Musikschule kommt, wird kalt gegessen. »Oder was Aufgewärmtes vom Vortag«.<br />
Ob es Regeln gäbe für das Abendessen? Es wird gewartet bis alle sitzen und erst gegessen, wenn man sich »Guten Appetit« gewünscht hat. Beim Essen reden sie nicht über die Schule. »Das hört man vorher oder gar nicht. Auf das übliche – ›Wie war’s denn in der Schule?‹ – kommt doch eh nur ein gemuffeltes – ›Gut‹.« Aufessen muss niemand. Aber da alle sich ihre Portion selbst nehmen, hat jeder nur so viel, wie er schafft. Zur Beendigung des Essens gilt: Die Kinder können zusammen aufstehen, wenn sie fertig sind. »Bleibt eine Tochter sitzen oder bietet gar an, beim Abwaschen zu helfen, weiß ich schon, dass sie etwas braucht.« Besuch und Schulfreunde bleiben häufig zum Essen. Nur der Hund muss beim Abendbrot die Küche verlassen.<br />
Ja, Abendbrot sei eine besondere Mahlzeit: »Das ist der einzige Moment, in dem die Familie zusammen sitzt und wichtige Sachen besprechen kann.« Typische Fragen wie »Darf ich am Wochenende bei meiner Freundin schlafen?« oder »Was wollen wir denn morgen essen?« werden beim Abendbrot geklärt.</p>
<p><strong>Vierter Stock: Single</strong></p>
<p>Klingeln, Stille, klingeln – nichts rührt sich. Erst spät am Abend wird Barbara ans Telefon gehen. Die Geologin arbeitet viel und kommt manchmal vorbei, um sich Olivenöl zu borgen oder den Schlagbohrer. Abendbrot? Natürlich, am liebsten kochen. Aber heute  –<br />
erwischt – gebe es Chips und Rotwein vor dem Fernseher. Das mache genauso satt wie ein »richtiges Essen«, nur eben ein schlechtes Gewissen. Wenn sie so spät aus dem Institut komme, dann sei die »Hungerschwelle überschritten«. Nahrungsaufnahme sei »reine Vernunftsache«. Wichtiger sei der Ruhepunkt, mit Rotwein oder Tee auf dem Sofa zu sitzen, um mit Zeitschrift oder Fernsehen vom Tag abzuschalten.<br />
Barbara ergänzt die kleine nachbarschaftliche Feldforschung vor allem um einen Eindruck: Abendbrot ist eine gesellige Angelegenheit. Es geht dabei nicht nur um Essen, sondern um Austausch. Unser Telefonat beginnt mit der Aussage: Abendbrot habe »insgesamt nicht so diesen Stellenwert, wenn was da ist, isst man was.«  Kurz vor dem Auflegen beteuert Barbara: »Für Freunde koche ich furchtbar gern!«</p>
<p><strong>Vierter Stock: Kleinfamilie</strong></p>
<p>Wirrwarr. Frau K. zieht sich gerade ihre Stiefel aus und folgt der Erklärung für die Störung erst mal mit Abwehr im Gesicht. Hinter ihr krachen Legosteine, Fischstäbchen zischen in der Pfanne. »Wenn’s Ihnen bei uns nicht zu hektisch ist.« Später am Tisch erklimmt die Dreijährige ihren Stuhl, Kartoffelmus für alle. »Bei uns ist der Vater die Mutter. Mein Freund kocht und holt die Lütte aus dem Kinderladen ab. Ich komme gegen sieben aus dem Büro. Das klingt vielleicht spießig, aber es ist ein schönes Gefühl, die Tür aufzumachen und es riecht nach Essen.« Trotz der vertauschten Rollen gleicht die Szenerie der im zweiten Stock. Es gibt Verhandlungen, wie viel Gurke pro Fischstäbchen gegessen werden soll, und Beschwerden über eine Kinderladenfreundin. Abendbrot ist die Zeit, in der man Leben bespricht. »Morgens ist es dafür zu hektisch.«<br />
So unterschiedlich die Lebensstile auch sind, im Abendbrot kulminiert der Tag. Es leistet viel: Fürsorge, Familienrat, Zusammensein, Nahrungsaufnahme, zur Ruhe kommen. Das ist nicht einfach für das Abendbrot. Auf wenig Raum und in meist weniger als einer Stunde konzentrieren sich Menschen, Essen und Ansprüche. Das ist ein bisschen wie Weihnachten im Kleinen: Es sitzt zusammen, wer sonst verschiedene Wege geht, teilt Essen, aber vielleicht nicht die Ansichten. Es gibt leise verdrehte Augen, zufriedene Köche, gezischte Ermahnungen, lautes Lachen oder heftige Diskussionen. Manchmal verlässt einer wütend den Tisch, manchmal bleibt man sitzen, weil’s grad so schön ist.<br />
Berufliche Strukturen bestimmen den zeitlichen und finanziellen Spielraum des Abendbrotes. Je mehr Menschen beteiligt sind, umso mehr Abstimmung ist nötig, um gemeinsam Zeit zu finden. Umso notwendiger ist diese aber auch.</p>
<p>Sabine Krüger, Mainzer Sozialpädagogin und Familienhelferin, untermauert die subjektiven Bebachtungen zur Wichtigkeit des Abendessens am Beispiel der Arbeit mit dysfunktionalen Familien. »Wenn wir neu in eine zu betreuende Familie kommen, schauen wir als erstes, ob es eine Zeit gibt, zu der alle Familienmitglieder gleichzeitig zu Hause sind. In der Regel ist das der frühe Abend, nachdem auch die berufstätigen Elterteile Feierabend haben.« Als erster Schritt in ein geregelteres Lebens, wird ein tägliches gemeinsames Abendessen eingeführt. »Dabei merkt man sehr schnell, dass eine Familie zueinander findet. So entstehen durch ein einfaches Ritual genau die Nähe und Gemeinsamkeit, an denen es diesen Familien meist mangelt.«<br />
Für Berufstätige und Familien ist das Abendbrot die warme Hauptmahlzeit, zumindest an einem ganz normalen Wochentag. Es sammelt wie ein Hafen die Menschen um den Tisch oder auf dem Sofa.<br />
*Alle Namen geändert.</p>
<p><em>erschienen in »DerWedding 02«</em></p>
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