Archiv für die Kategorie „Rituale“

Maul halten und Drink ausgeben

Donnerstag, 9. Oktober 2014

zitty_ds_01_500

Die Weddinger Tresen-Reportage, erschienen im zitty Spezial “ESSEN GEHEN” 2014/2015.

Hertha-Fans trinken Feierabendmolle, US-Expats selbst gebrautes Craft Bier, Studenten Ein-Euro-Futschi und junge Araber Tee und Limonade in der Shisha-Bar – die Kneipen im ehemaligen Arbeiterbezirk Wedding sind heute vielseitiger denn je. Eine teilnehmende Beobachtung 

von Julia Boek

Gähnende Leere im Schinken. Nur wenige Gäste, darunter zwei ergraute Herren mit Hertha-Schals und qualmenden Zigarillos zwischen den Fingern, sitzen gegen 20 Uhr am Tresen der Altberliner Kneipe in Berlin-Wedding. Darüber baumelt ein grinsender Clown, Partyhits dröhnen aus den Lautsprechern, die neongelben Fadengardinen vor den Fenstern vibrieren leicht. Setze mich auf einen freien Hocker an den Kneipentresen und denke, dass hier heute noch was gehen könnte.

(mehr…)

Der Beutel zur Straße

Montag, 27. Juni 2011

stoffbeutel

Zum Magazin “Die Müllerstraße” gibt es nun auch die Tasche “Die Müllerstraße”. Sie ziert die Dame und den Herrn. Sie ist ideal zum Tragen von Magazinen, Schallplatten aber auch Biogemüse …

Der Beutel ist exklusiv im Antiquariat Mackensen erhältlich für 3€. Malplaquetstr. 13a, Tel. 4566343, Öffnungszeiten: 12–18Uhr

Wedding Mixtape

Mittwoch, 9. Juni 2010

tape

Berlin ist in mehreren hundert Liedern besungen worden -  von Nina Hagen, der Dietrich, K.I.Z., den Einstürzenden Neubauten oder David Bowie. Aber auch dem Wedding im Besonderen wurde einiges Liedgut gewidmet. Hier eine Auswahl von Titeln kurz angespielt:

1. Massiv: Ghettolied
Ihr wollt n Ghettolied aufn Ghettobeat?
Komm nach Wedding, dann wisst ihr, wo das Ghetto liegt.
Das ist mein Bezirk, geh von hier nicht weg.
Liebe meine Brüder, widme ihnen diesen Track. (mehr…)

Hand drauf!

Mittwoch, 2. Juni 2010

wnippes

Beobachtungen vom Trödelmarkt auf dem Leopoldplatz

Text und Fotos: Inga Seidler

Samstagnachmittag, die Sonne scheint, monoton rauscht der Verkehr über die Müllerstraße, aus einem Ghettoblaster in der Ferne dröhnt Heavy Metall-Musik. Auf dem kleinen Flohmarkt vor der Narzareth-Kirche herrscht geschäftiges Treiben. An den Trödelständen und Wühltischen wird geschaut, geprüft, gefeilscht und hitzig diskutiert. (mehr…)

Neulich auf dem Müllerstrassenfest (Teil 1)

Sonntag, 25. April 2010

Unbenannt-1

Der Berliner Schlüssel

Dienstag, 13. April 2010

Schlüssel2

Text: Tim Schintlholzer

Das wird wohl so Ende der 90er Jahre gewesen sein, also kurz nach der Handtelefonrevolution als ich mich mit einem Kuriosum der Schließanlagentechnik konfrontiert sah, das eigentlich schon damals seine beste Zeit hinter sich hatte. Ich war da, also noch vor dem Berlin-Boom, wo alles von Rang und Namen aus Kunst, Kultur und Medien unbedingt nach Mitte wollte,  gerade in die Hauptstadt gezogen und darüber so was von in Aufregung, dass ich eigentlich gar nicht wirklich mitbekam, wie und was mit mir geschah.

(mehr…)

Der Kulturkiez des Herren

Sonntag, 28. März 2010

Kulturkiez-Illu

Text: Thilo Bock | Illustration: Axel Völcker

Von den Ausflügen eines Rastlosen

Es dämmert bereits, als ich nach längerer Wanderung den Leopoldplatz von Süden her erreiche. Hier beginnt der Kiez, von dem es heißt, »er schlafe niemals«, und wenn doch, dann nicht in einem gemachten Bett. Dabei ist dies ein tief religiöses Viertel. Ein Gotteshaus allein würde nicht ausreichen, weshalb man hinter die eine Nazarethkirche noch eine zweite Nazarethkirche gebaut hat, was in der Vergangenheit immer wieder zu misslungenen Kontaktaufnahmen Zugezogener mit Einheimischen geführt hat, weil sie vor der falschen Pforte gewartet haben.

(mehr…)

B im W

Mittwoch, 27. Januar 2010

BMW-verhuscht_RZ

Der BMW 3er. Kein Auto ist so sehr Wedding wie er. Und kein 3er wird so begehrt, wie der M3, der König der 3er-Reihe.

Text: Frank B. Meyer  |  Fotografie: Axel Völcker

Das flammneue M3 Coupé steht an der Shell-Tankstelle Müllerstraße. Steht da und löst Gefühle aus: Begeisterung, Eitelkeit, Gier, Misstrauen – und Höflichkeit.

(mehr…)

Im Hafen des Tages – Das Abendbrot

Sonntag, 3. Januar 2010

Abendbrot-screenshot

Das Abendbrot ist die wichtigste Mahlzeit − zumindest an einem ganz normalen Wochentag. Es leistet viel: Fürsorge, Familienrat, Nahrungsaufnahme, zur Ruhe kommen. Das ist nicht einfach für das Abendbrot.

Text Daniela Künne | Foto Sandra Hoyn

Denn auf kleinem Raum und in meist weniger als einer Stunde konzentrieren sich Menschen, Essen und Ansprüche. Um die Wichtigkeit des Abendbrotes wissen auch Familienhelfer. Zu Beginn ihrer Arbeit sorgen sie vor allem dafür, dass sich die Familie zum Abendessen um den Küchentisch versammelt.

Jeden Abend ist das so: Mit der flachen Hand auf den Schalter schlagen, knirschend tickt das Licht im alten Berliner Treppenhaus los. Heimkommen – Abendbrotzeit.
Auf dem Weg nach oben dringen Geräusche aus den Wohnungen. Wie in einem Adventskalender hinter jeder Tür ein anderes: mal das Klappern von Besteck, dann ein dumpfer Fernseh-Ton, im nächsten Stock hämmert ein Techno-Bass als parke hinter der Tür ein Golf mit Brandenburger Nummernschild und manchmal auch nur Dunkelheit und Stille. Schwer vorstellbar, dass dies der Soundteppich zur überall gleichen Handlung ist:
Die Familie versammelt sich zum Abendessen um den Küchentisch und erzählt sich bei Gürkchen und Stullen auf Holzbrettchen ihren Tag. Der Zeitschalter für das Treppenhauslicht zählt zu schnell, zweimal wird es dunkel unterwegs. Das sind die Zufallstreffer, um zu klingeln und die Frage zu stellen: Abendbrot, wie geht das bei euch? Ist euch das wichtig?

(mehr…)