Hand drauf!

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Beobachtungen vom Trödelmarkt auf dem Leopoldplatz

Text und Fotos: Inga Seidler

Samstagnachmittag, die Sonne scheint, monoton rauscht der Verkehr über die Müllerstraße, aus einem Ghettoblaster in der Ferne dröhnt Heavy Metall-Musik. Auf dem kleinen Flohmarkt vor der Narzareth-Kirche herrscht geschäftiges Treiben. An den Trödelständen und Wühltischen wird geschaut, geprüft, gefeilscht und hitzig diskutiert.

Vor einem Wühltisch voll mit Nippes steht Ulrike. Sie ist auf der Suche nach ausgewählten Stücken eines alten Geschirrservice „Keine teure Marke oder so“, vorsichtig kramt sie eine Untertasse hervor, „bei der gefällt mir das Blümchenmuster, so etwas gibt es fast nirgendwo mehr.“

Ein Mann, er trägt einen Schnauzer und eine Hornbrille durchforstet derweil die DVDs am Stand gegenüber. „Was suchste?“ „Nur Horrorfilme – Hauptsache mit Splatter!“

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Seine Ausbeute heute: Bravo Hits 8

An der Imbissbude ein paar Meter weiter – bei Kirschstreusel, Mettbrötchen und Sternburger– wird die erstandene Beute kritisch beäugt: Fingerringe, Schlüsselanhänger und bunte Knöpfe liegen ausgebreitet auf dem Tisch.

„Es ist gut hier, billiger als am Mauerpark-Flohmarkt oder auf dem Boxhagener Platz.“ Die Flohmarkt-Kennerin war heute schon in Reinickendorf und Pankow auf Schnäppchenjagd. Bisher hat sie hier eine Tasche gekauft sowie Papyrusrollen und Bilderrahmen – für ihre Malerei, wie sie verrät.

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Sie tickt.

Am nächsten Stand hat sie eine alte Wanduhr zum Hängen in der Hand. „Genau so eine habe ich gesucht – mit Zifferblatt und zum Aufziehen. Ich will es ticken hören.“ Die Trödel-Expertin wirft einen weiteren prüfenden Blick auf die Auslage vor ihr. „An diesem Stand finde ich nichts mehr, obwohl ich  gerne noch etwas kaufen würde, einfach weil der Verkäufer so reizend ist.“

Im Hintergrund besiegelt besagter Verkäufer gerade ein anderes Geschäft. „Der Recorder funktioniert doch auch wirklich?“ „Aber sicher, einwandfrei. Und wenn irgendwas ist, kommste nächsten Samstag wieder her und kriegst deine fünf Euro zurück – Hand drauf!“

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