Mit den ersten sommerlichen Temperaturen startet nun bald die Badesaison. An der Riviera des Weddings ist dieses Vergnügen ökologisch unbedenklich und man hat die einmalige Gelegenheit die Fee Monika zu treffen.

Text und Fotos: Torsten Flüh
Der Plötzensee bietet entschieden mehr Strecke als jedes Freibad und die Weddinger Jungs, die hier auch Ali und Hussein, Sami oder Enrique heißen, springen verbotener Weise wie richtige Naturburschen von den kräftigen Ästen alter Bäume ins Wasser. Alles unter den Augen des Bademeisters vom Strandbad am Nordufer, der aber auf das Gebiet auf gegenüber keinen Zugriff hat. Wahrscheinlich hat er schon längst vor den dreiviertellangen Badehosen kapituliert – am See ist das Hygieneproblem eben anders gelagert als im Schwimmbad.
Das Strandbad wurde 1928 von Walter und Johannes Krüger gebaut. Sonnenschirme für kann man hier schon für einen Euro mieten, Strandliegen und Strandkörbe stehen ebenfalls zur Auswahl. Aus der Ferne das Rauschen der Seestraßen-Autobahnauffahrt. Im Takt gegen den Ostwind starten die Maschinen vom Flughafen Tegel. Weddings Riviera – fast wie Urlaub ganz im Süden, nur ökologisch intakt. Den See gibt es schon seit der Eiszeit. Der Reiher sieht hier wohlgenährt aus, und auch den Haubentauchern geht es gut.

Die Fee vom Plötzensee
Nicht weniger eine seltene Erscheinung: die Fee vom Plötzensee. Sie vermietet Tret- und Ruderboote mit so klangvollen Namen wie „Plötze“. Und sie verkauft Bier und diese giftgrünen Fruchtgummi-Schlangen für Kinder. Eis am Stiel gibt es sowieso. Die „Fee vom Plötzensee“ heißt Monika – nicht mit c, sondern mit k, weil es ein alter deutscher Mädchenname ist, wie Monika betont.
Seit zwanzig Jahren macht das jetzt, sagt Monika. Damit dürften Ali, Enrique und Hussein, die mit dem Tretboot auf dem See cruisen, schon als Schuljungs Monikas Kunden gewesen sein. Fruchtgummi-Schlangen-Käufer, versteht sich.
In der Stadt würde man Monika eine Kiezgröße nennen. Auf jeden Fall ist sie ein echtes Original. Die Fingernägel trägt sie hellgrün. Und mit Bestimmtheit in der tiefen Kettenraucherinnen-Stimme weist sie ihre freiwilligen Helfer – allesamt gestandene Männer weit über sechzig - an, vom Wagen neue Ware zuholen.
Natürlich habe ich Monika gefragt, ob ich sie fotografieren darf. „Ja, aber bitte schlank. Und hier und da so ein bisschen retouchieren.“ Quatsch, eine Frau wie Monika, die Fee vom Plötzensee, darf man überhaupt nicht retouchieren. Schließlich ist sie eine echte Naturschönheit.
Seit dem ersten Mai ist das Strandbad wieder geöffnet und Monika wartet sicher schon auf ihre Gäste.
Dr. Torsten Flüh ist Initiator und Coach der Wedding 65 Runners und schreibt auf seinem Blog Night out@Berlin.

Zitat: “am See ist das Hygieneproblem eben anders gelagert als im Schwimmbad.”
Diesen Satz verstehe ich nicht. Von welchem Hygieneproblem ist da die Rede?