Immer an der Panke lang – Teil 1

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Text: Falko Hennig  |  Illustration: Axel Völcker

 

Teil 1: Auf dem Invalidenfriedhof

Eine kleine Stadtwanderung soll uns die Panke entlang flussaufwärts führen, was die erste Frage aufwirft: Wo mündet die Panke in die Spree?

Tatsächlich gibt gleich zwei Mündungen, erstens die historische, heute kaum noch sichtbare am Bahnhof Friedrichstraße. Dort am Berliner Ensemble, genauer gesagt am Schiffbauerdamm 2 fließt die Panke durch eine Öffnung der Ufermauer in die Spree. Meine Cousine, die im Hinterhof der angrenzenden Albrechtstraße aufwuchs, kann sich noch an das Flüsschen erinnern, an dem sie als Kind spielte, bevor es in eine Betonröhre in den Untergrund verbannt wurde.

Aber dann gibt es noch, zweitens, die offizielle Mündung in den Nordhafen des Spandauer Schifffahrtskanals. Wir folgen der Albrecht- und der Luisenstraße, von der armen Panke, die unter uns fast vertrocknet ihren historischen Verlauf entlangrinnt, ist nichts zu ahnen.

Auch in der Scharnhorststraße nicht, aber wir wissen: Unter dem Pflaster liegt der Pankestrand, aber nicht nur der. Denn in der Erde des Invalidenfriedhofes, den wir überqueren, war der „Rote Baron“ Manfred von Richthoven begraben, die Kommunisten bauten eine Betonstraße als Teil des Todesstreifens der Berliner Mauer über seine Unruhestätte bis ihn die gekränkte Familie 1975 nach Wiesbaden umbetten ließ.

Frische Blumen und ein Schleife erinnern an Fritz Todt, der seine Grabstätte als Schöpfer der „Straßen des Führers“ in recht eigenartiger Nähe zur Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen gefunden hat, die um die Ecke in der Boyenstraße sitzt. Sein Grab wurde eingeebnet, die Erinnerung lebt zumindest in der Familie weiter.

Wir verlassen den preußischen Kirchhof und am Ende der Scharnhorststraße finden wir die offizielle Mündung der Panke. Ein Angler hält hoffnungsvoll seine Rute über die an dieser Stelle recht trübe Brühe. Die Panke mündet in einen großen gemauerten Trog, bevor ihr Wasser sich in den Nordhafen des Spandauer Schifffahrtskanals ergießt.

 … Fortsetzung folgt.

 

Falko Hennig ist Schriftsteller, Bühnenkünstler und Literaturorganisator und Mitinitiator des legendären „Radio Hochsee“, zu sehen am 9. März 2010, 20.30 Uhr im Kaffee Burger: Radio Hochsee Themenabend Pierre Bourdieu mit den Gast-Expertinnen Anna Schneider & Dr. Irene Zierke (Uni Potsdam).

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