Archiv für Januar 2010

Standortwahl

Freitag, 29. Januar 2010

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Text: Robert Rescue  |  Illustration: Andreas Hartung

Wer im Wedding wirtschaftlich Fuß fassen will, nennt sein Geschäft „Billig“ oder „Preiswert“ oder als Discounter „Aldi“ oder auch „Penny“, wobei „Penny“ deutlicher klingt als „Aldi“. Am besten gehen jedoch „Pfennigland“, „Fundgrube“, „Restposten“ und „Lagerverkauf“, am besten per Außenmikrophon ausgerufen, damit es jeder hört und angelaufen kommt:

„Hier, meine werten Damen und Herren, bieten wir ihnen erlesene Produkte zu sensationell günstigen Preisen. Kaufen sie hier ein, dann wird ihnen geholfen. Hier kostet alles nur 50 Cent, selbst die Artikel, die nicht so aussehen, als würden sie 50 Cent kosten, kosten 50 Cent. Darauf gebe ich Ihnen mein letztes Hemd, das ich gerade trage.“

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B im W

Mittwoch, 27. Januar 2010

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Der BMW 3er. Kein Auto ist so sehr Wedding wie er. Und kein 3er wird so begehrt, wie der M3, der König der 3er-Reihe.

Text: Frank B. Meyer  |  Fotografie: Axel Völcker

Das flammneue M3 Coupé steht an der Shell-Tankstelle Müllerstraße. Steht da und löst Gefühle aus: Begeisterung, Eitelkeit, Gier, Misstrauen – und Höflichkeit.

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Dialoge, die nur im Wedding vorkommen, Teil 1

Sonntag, 17. Januar 2010

Teil 1: An der Imbissbude von Robert Rescue

„Ich hätte gerne eine Bratwurst ohne Wurst.“
„Also nur Brat, ja?“
„Genau.“
„Okay. Hier bitte.“
„Da ist aber ein kleines bißchen Wurst neben dem Brat.“
„Moment, das schneide ich weg. So bitte.“
„Danke.“

Erwiens

Herzlich Willkommen

Sonntag, 3. Januar 2010

Der Wedding ist ein Bezirk.
»Der Wedding« ist ein Magazin.
»Der Wedding« ist jetzt auch ein Blog.

Willkommen in der unaufgeregten Welt des Großstadtalltags jenseits des Scheinwerferlichts großer Berliner Bühnen. „Der Wedding-Blog“ führt Sie auf die entlegensten Hinterhöfe der Großstadt, hinein in die Stammkneipen des Berliner Milieus oder gleich um die Ecke an die Theke Ihrer Pommes-Bude. Mit einem Blick auf das Kleine im Großen erzählen wir Geschichten, die unmittelbar vor Ihrer Haustür passieren.

So wie in Berlin-Wedding: Türkische Großfamilien, Berliner Urgestein, Künstler und Studenten, unzählige Wettbüros, Teestuben, Galerien – der Wedding ist herzlich und echt, das Leben hier gelassen und bodenständig. Und das ist Programm: „Der Wedding“ ist unsere Hommage an den Alltag!

Viel Freude beim Lesen
wünscht Ihnen

Ihre Wedding-Redaktion

Im Hafen des Tages – Das Abendbrot

Sonntag, 3. Januar 2010

Abendbrot-screenshot

Das Abendbrot ist die wichtigste Mahlzeit − zumindest an einem ganz normalen Wochentag. Es leistet viel: Fürsorge, Familienrat, Nahrungsaufnahme, zur Ruhe kommen. Das ist nicht einfach für das Abendbrot.

Text Daniela Künne | Foto Sandra Hoyn

Denn auf kleinem Raum und in meist weniger als einer Stunde konzentrieren sich Menschen, Essen und Ansprüche. Um die Wichtigkeit des Abendbrotes wissen auch Familienhelfer. Zu Beginn ihrer Arbeit sorgen sie vor allem dafür, dass sich die Familie zum Abendessen um den Küchentisch versammelt.

Jeden Abend ist das so: Mit der flachen Hand auf den Schalter schlagen, knirschend tickt das Licht im alten Berliner Treppenhaus los. Heimkommen – Abendbrotzeit.
Auf dem Weg nach oben dringen Geräusche aus den Wohnungen. Wie in einem Adventskalender hinter jeder Tür ein anderes: mal das Klappern von Besteck, dann ein dumpfer Fernseh-Ton, im nächsten Stock hämmert ein Techno-Bass als parke hinter der Tür ein Golf mit Brandenburger Nummernschild und manchmal auch nur Dunkelheit und Stille. Schwer vorstellbar, dass dies der Soundteppich zur überall gleichen Handlung ist:
Die Familie versammelt sich zum Abendessen um den Küchentisch und erzählt sich bei Gürkchen und Stullen auf Holzbrettchen ihren Tag. Der Zeitschalter für das Treppenhauslicht zählt zu schnell, zweimal wird es dunkel unterwegs. Das sind die Zufallstreffer, um zu klingeln und die Frage zu stellen: Abendbrot, wie geht das bei euch? Ist euch das wichtig?

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Weddinger Kneipen

Sonntag, 3. Januar 2010

Viele traditionelle Berliner Kneipen sind bedroht. Steigende Mieten und neue Bewohner, die sich nicht hineintrauen oder keinen Wert auf sie legen, verändern den Kiez. Eine Bestandsaufnahme und ein Spaziergang durch Weddinger Kneipen mit Textfundstücken und Beobachtungen vor Ort von Frank Sorge und Fotografien von Axel Völcker.

Euler-Eck

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Ich wollt ich wär ein Elefant, wie wollte ich jubeln laut, es wär mir nicht ums Elfenbein, nur um die dicke Haut.

13 Uhr – Messer im Bauch, Engelhardt. Traurig, wie Sachen verschwinden. 25 Stunden am Tag trauern. Schrei meinen Hund nicht an! Karo, Skat, Wowereit. Du bellst jeden Tag hier. Ick hab noch andere Termiten! Ein Gast hat ein Fax von Frank Henkel (MdA) bekommen: geschlossene Heime für Jugendliche mit Migrationshintergrund. 
Sicherheit, Präsenz, Rauschgifthandel. Die fahren ja och hundertzwanzig inner Dreißiger-Zone. Wer Liebe sucht, der muss auch Liebe geben. Kanaken treten die Tür ein!!

Saal: Bezirksliga. S. V. Norden-Nordwest (18)98 Berlin/Saison 94/95. Sponsored by Fa. Karthago Immobilien. Sparverein »Letzte Hoffnung« Obere Reihe von links: Unversucht, Saricam.
Untere Reihe von links: Opolka, Yasin.

Ick hör nur zu: Schon vorm Krieg Kneipe. Welchem? Kollegin hat 33 Jahre geschafft. Haste watt jewonnen? Ne Flugente! Wenn se ufftaut, fang ick se und gleich ab innen Topf! Die schwarze Kunst, trinke ihn mäßig, aber regelmäßig.

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